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Verband Oesterreichischer Kameraleute

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Brossmann

Brossmann Heinz aac

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  • 1130 Wien
  • Österreich
  • HEINZ BROSSMANN (1933-2015)

    Es ist ungefähr 45 Jahre her, dass ich Heinz zum ersten Mal begegnet bin. Ich war ein ganz junger
    Kameramann, der mit Stolz seine erste Fernsehsendung drehen durfte. Ich kam zu ihm in den
    Verleih, um mir die 16Arri BL auszuleihen, damals die beste Tonkamera, die zu bekommen war. Ich
    war etwas nervös, denn ich sollte zum ersten Mal damit arbeiten . Ich habe nie vergessen, mit
    welcher Geduld Heinz mir den ganzen Nachmittag diese Kamera erklärt hat, und ich war nie ein
    großer Techniker vor dem Herrn. Schon damals merkte ich, dass in Heinz ein ausgezeichneter
    Lehrer steckte und ich habe eigentlich nie verstanden, dass das die Filmakademie nie genützt hat.
    Es gibt Menschen, die nicht viel Aufhebens um die eigene Person machen, aber stets bereit sind sich
    für andere vorbehaltlos einzusetzen. Heinz Brossmann war eine solche Ausnahmeerscheinung, ein
    Mann mit Haltung und solidarischer Empathie.
    Diese Haltung war auch in seiner lupenreinen proletarischen Herkunft begründet. Sein Vater,
    zunächst Bäcker, dann Straßenbahner, drehte schon lange vor ihm, nämlich die Kurbel eines
    Triebwagens der Wiener Tramway. Heinz wuchs mit sozialdemokratischen Werten auf. Ja, die
    hatten damals noch Gültigkeit !Seine frühreife Kritikfähigkeit bewies er bereits in der Nazizeit, als
    er sich beharrlich weigerte der Hitlerjugend beizutreten.
    Als junger Mann wurde Heinz Kommunist, was durchaus mit seiner Neigung für soziale
    Verantwortung zusammenhing. Den Stalinismus lehnte er allerdings entschieden ab. Folgerichtig
    kehrte er 1968 der KPÖ den Rücken ,als die Streitkräfte des Warschauer Paktes den Prager
    Frühling niederwalzten.
    Heinz erlernte den Beruf des Elektrikers und als solcher arbeitete er in den Rosenhügelstudios, die
    damals als sogenannter USSIA-Betrieb von der Russischen Besatzungsmacht geführt wurden.
    Nebenbei ließ er sich auch noch zum Filmvorführer ausbilden. Danach bildete er sich stetig
    autodidaktisch weiter und erwarb jenes unglaubliche technische Fachwissen, um das wir ihn später
    alle bewunderten. Bevor Heinz jedoch zum technischen Mentor von uns allen wurde
    konnte er bereits auf eine beachtliche Karriere als Kameramann verweisen, in der er österreichische
    Film- und TV-Geschichte mitschrieb. Der bekannte Regisseur Hugo Hermann erkannte sein Talent
    als erster und wurde sein Mentor.
    Die Kameraarbeit von Heinz veredelte zahlreiche legendäre österreichische Film- und
    Fernsehproduktionen. Der bekannte Filmabenteurer Max Lersch wurde einer seiner wichtigsten
    Regisseure. So entstand, nach einem Buch von Jörg Mauthe, die Serie MUSSA DER TUAREG in
    Nordafrika. Sie legte den Grundstein für die Begeisterung, die Heinz Zeit seines Lebens für den
    schwarzen Kontinent hegte.
    Legendäre Fernsehserien wie DIE PERLE mit Ruth Drexel, DONAUGSCHICHTEN mit Theo
    Lingen und Willy Millowitsch oder PATER BROWN mit Josef Meinrad trugen seine cineastische
    Handschrift. Die in Jugoslawien produzierte TV Serie OMER PASHA besitzt bis heute Kultstatus.
    Hinter der Kamera: Heinz Brossmann.
    Namhafte Regisseure wie Imo Moskowitsch, Wulf Flemming und Christian Jaques schätzen die
    Kameraarbeit von Heinz ungemein. Er verstand es nämlich, speziell bei Außenszenen und Sets mit
    Originallicht, sich jeder neuen Situation erfolgreich und kreativ zu stellen. Beim damaligen Stand
    der Kameratechnik war das alles andere als einfach.
    In ZUG FÄHRT WIENTAL einem Klassiker unter den österreichischen TV Filmen wusste
    Regisseur Günter Gräwert diese außerordentliche Fähigkeit von Heinz zu nützen.
    Die Folge ZÜRICH aus der Dokuserie SONNTAG IN EUROPA verschaffte Heinz himmlische
    Kritiken .
    Was die praktische Film- und Kameratechnik betraf, konnte ihm kaum jemand das Wasser reichen.
    Sein legendärer Geräteverleih „Cine Service“ wurde zum Dreh-und Angelpunkt der
    österreichischen Kameraleute und ihrer Assistentinnen und Assistenten, die sich dort die Klinke in
    die Hand gaben. Kaum ein großes Filmprojekt, das nicht mit Gerätschaft aus seinem Leihpark
    durchgeführt wurde.
    Die Räumlichkeiten von „Cine Service“ waren damals bereits ein unverzichtbarer Ort der
    Kommunikation und persönlichen Begegnung für uns Kameraleute, da es ja sonst kaum
    Gelegenheiten gab die Kollegenschaft zu treffen.
    Für Heinz waren wir alle schon zu Anfang viel mehr als nur Kollegen, vielen hat er in selbstloser
    Art geholfen. Zum Beispiel indem er sie kurzfristig in seiner Firma angestellt hat, wenn sie zu lange
    kein Engagement bekamen und Gefahr liefen aus dem sozialen Netz zu fallen.
    Es es war daher naheliegend, dass Heinz einer der „Urväter“ der Gründung des Verbandes
    österreichischer Kameraleute AAC wurde, dessen notorische Umtriebigkeit sich in den ersten
    Jahren in den Räumlichkeiten seiner Firma entfaltete. Dabei stellte Heinz seine unglaubliche
    Großzügigkeit unter Beweis. Mit Selbstverständlichkeit stellte er dem neu gegründeten ersten
    Berufsverband von Filmschaffenden nach 1945 die Infrastruktur seines Unternehmens zur
    Verfügung . Er wurde zum ersten und legendären Finanzreferenten des AAC. Mit seiner für ihn
    typischen Umsicht bereitete er die ökonomische Basis , um die gewaltigen Vorhaben der
    Berufsvereinigung umzusetzen. Heinz Brossmann hat, wie es seinem bescheidenen Naturell
    entsprach, im Hintergrund dabei wertvollste Pionierarbeit geleistet. Daher haben ihm nicht nur die
    Kameraleute, sondern darüber hinaus alle Filmschaffenden dieses Landes viel zu verdanken. Er
    wurde dafür mit der Ehrenmitgliedschaft des AAC ausgezeichnet.
    Ich erinnere mich noch sehr gern an die von uns sogenannte „Sträflingsarbeit“ für den AAC.
    Gemeint sind die unzähligen Male , wo wir Aussendungen an alle Mitglieder vorbereiten mussten.
    Dabei saßen wir Vorstandsmitglieder um einen runden Tisch bei „CineService“ und haben wie die
    wilden kuvertiert, zugeklebt, gestempelt. Heinz hat uns mit Kaffee und Kuchen bewirtet. In einer
    Branche, die schon damals durch brutalen Wettbewerbsdruck und Vereinzelung gekennzeichnet
    war, entstand da etwas Einmaliges:
    Nämlich ein Gefühl der Solidarisierung, der Achtsamkeit auf einander in dem Wissen, dass man
    gemeinsam etwas bewirken kann. Trotzdem!
    Heinz hat uns in diesem Gefühl immer bestärkt nicht zuletzt indem er sich selber für die Sache ins
    Zeug geworfen hat.
    In diesem Sinn war er weniger ein Mann des Wortes sondern vielmehr einer der Tat! Er hatte stets
    eine positive Ausstrahlung nicht zuletzt auf Frauen . Er galt als Charmeur, war gut aussehend. In
    seiner eleganten Lederjacke über einem Hemd mit modischer Schalkrawatte verkörperte er den
    Kameramann par exellence! Wollte man in einem Film einen feschen Kameramann besetzen, er
    wäre die Idealbesetzung gewesen.
    Zu einem gelungenen Leben, wie es das von Heinz ganz sicher war, gehört vor allem zu lieben und
    geliebt zu werden. Als er vor über 30 Jahren Jutta, seine große Liebe kennenlernte, war es aus mit
    seinen gelegentlichen Eskapaden. Mit ihr verbrachte er unvergessliche Jahre. In Wien und in seinem
    geliebten Refugium Ritzing. Jutta teilte sein Faible für Tiere und Afrika, indem sie mit ihm ganze
    10 Mal dorthin gereist ist. (Damals hat sie, wie sie mir anvertraute, zum ersten Mal, 58 jährig, in
    einem Zelt übernachtet). Sie bewies ihre große Liebe ganz besonders, indem sie bis zuletzt gerade
    in diesen schweren Wochen und Tagen nicht von seiner Seite gewichen ist.
    Was bleibt von Heinz? Ich meine sehr, sehr viel. Sein künstlerisches Talent hat er seinem Sohn
    Heini vererbt, der ein unverwechselbares Puppentheater kreiert hat. Der hat es seinerseits an die
    Enkel weiter gegeben. So wurde vor wenigen Tagen Jakob Brossmanns erster abendfüllender
    Dokumentarfilm mit großem Erfolg in Wien präsentiert. Ich weiß, Heinz wäre sehr, sehr stolz
    gewesen. Aber ich möchte bewusst nicht den Konjunktiv verwenden. Möglicherweise ist er stolz!
    Aber wie ist das zu verstehen?
    Heinz, der wie kaum ein anderer christliche Werte gelebt hat, bezeichnete sich selbst als Atheist
    ohne Erwartung eines Lebens nach dem Tode
    Aber könnte es nicht sein, dass er sich gerade dabei geirrt hat? Dass er nun einer ungeheuren
    Verblüffung erliegt, indem er jetzt gegenwärtig ist ? Und uns alle, die ihn geliebt und gemocht
    haben, freudig wahrnimmt? Gerade er mit seinem technischen Verständnis wusste genau, dass in
    der Physik Energie niemals verloren gehen kann, sondern nur verwandelt wird. Ich glaube, dass
    alles, was einen Menschen ausmacht in ein ewiges Gedächtnis einprägt ist. Wir erlöschen nicht
    endgültig sondern werden nur verwandelt. Arthur Schnitzler in seiner weisen Art sagt klar und
    deutlich : WAS WAR, DAS IST.
    Heinz mit seiner ungeheuren positiven Energie hat uns alle mehr oder weniger verändert. Wir
    werden ihn daher in unseren Herzen tragen. Er ist also definitiv nicht weg!
    Lieber Freund! Ich danke Dir , dass Du warst und dass Du bist. KB