aac austrian association of cinematographers

Verband Oesterreichischer Kameraleute

HANUŠ POLAK

* 8.1.1925    ✝ 5.8.2016

Im Frühjahr des Jahres 1976 saß eine kleine Runde von Kameraleuten im Cafe Sperl um zu beratschlagen, in welcher Form sie ihre Anliegen am besten offiziell artikulieren könnten. Hanuš war schon damals dabei und bestärkte uns eine Solidarisierung im Filmschaffen anzustreben, etwas, das  damals nahezu undenkbar schien. An diesem Kaffeehaustisch wurde dann die Gründung des Verbandes Österreichischer Kameraleute beschlossen.

Hanuš war somit einer der Gründerväter unserer Berufsvereinigung und für seine Verdienste darob, nicht zuletzt auch für sein beachtliches Lebenswerk wurde er 2012 mit der Ehrenmitgliedschaft des AAC ausgezeichnet.

Hanuš Polak junior hat uns den folgenden lesenswerten Lebenslauf seines Vaters übermittelt:

Hanuš Polaks Vater, ein Prager Tuchhändler, wünschte sich Anfang der 30er Jahre einen Sohn, der Arzt werden sollte. Deshalb wurde für Hanuš, als er 16 Jahre alt war, ein medizinisches Labor eingerichtet, in dem er unter anderem Tuberkulose-Bazillen gezüchtet und Herzoperationen an Fröschen durchgeführt hat.

 

Selbst war dieser Vater aber auch ein Film-Enthusiast, er besaß ein eigenes Fotolabor und die ersten Filmkameras, und so weckte er bei seinem Sohn ebenso das Interesse an Film und Kino.

 

Da nach dem Krieg an ein Medizinstudium aus vielen Gründen nicht mehr zu denken war, begann Hanuš Polak mit seiner zweiten Leidenschaft, der Fotografie, erstes Geld zu verdienen. Er hatte von den amerikanischen Besatzungssoldaten eine ausrangierte Harley Davidson erworben und fuhr selbst leidenschaftlich gern Motorrad. Daher begann er zuerst bei Motorradrennen Fotos für Fachzeitschriften zu machen und dann Filme für die Wochenschau zu drehen.

 

Mitte der 50er Jahre entstand das Tschechische Fernsehen, Hanuš Polak war ein Gründungsmitglied. Parallel zur Arbeit beim Fernsehen studierte er an der berühmten Prager Filmakademie FAMU Kamera.

Bis 1968 hat er für das tschechische Fernsehen als Kameramann unzählige Dokumentationen, Fernsehserien und abendfüllende Spielfime gedreht und erhielt dafür zahlreiche Auszeichnungen.

 

Als die Warschauer-Pakt-Staaten 1968 in der Tschechoslowakei einmarschierten und mit diesem Überfall den Prager Frühling beendeten, drehte er Dokumentarmaterial für ausländische Medien. Ihm war klar, dass er danach nicht mehr in seiner Heimat bleiben konnte. Er flüchtete mit seiner Familie zuerst nach Wien, dann emigrierte er für einige Zeit nach San Francisco, wo er neue berufliche Erfahrungen sammeln konnte. 1969 landete er endgültig in Wien.

 

Hier wurde er mit offenen Armen aufgenommen und konnte sofort mit der Arbeit an Dokumentationen, Fernsehserien, TV- und Kinospielfilmen beginnen.

Im Laufe der vielen Jahre arbeitete er unter anderem mit Heide Pils, Hannes Rossacher, Kitti Kino, Niki List, Peter Sämann und vielen anderen zusammen. Einer seiner aussergewöhnlichsten Regisseure war bestimmt Paul Morrisey, der aus Andy Warhols Factory nach Wien kam, um einen Film namens „Beethoven‘s Nephew“ zu drehen. Zahlreiche Anekdoten werden bis heute über dieses ungewöhnliche Projekt erzählt.

 

Mit Walter Bannert zusammen entdeckte er Julia Stemberger für den Film „Herzklopfen“, drehte mit ihm viele erfolgreiche Serien wie „Bayer auf Rügen“, „Der Bulle von Bad Tölz“ und „Julia“ mit Christiane Hörbiger, die ihn sehr schätzte, weil er bekanntlich Frauen besonders schön auszuleuchten vermochte.

Hanuš Polak wurde in Montreal für seine Kameraarbeit ausgezeichnet und erhielt 1990 den „Goldenen Kader“ für den Film „Ach Boris“ von Niki List.

 

Nach seine Pensionierung blieb er ein treuer Fan von Filmarbeiten. Da er nicht verhindern konnte, dass seine Kinder und Enkelkinder auch beim Film landeten, war er an jedem Set seines Sohnes und seiner Enkelkinder regelmässig ein interessierter Besucher und liess sich begeistert von den jungen Kollegen in die Geheimnisse der digitalen Kameratechnik und modernen Lichtechnik einweihen.

 

Hanuš Polak war schon zu Lebzeiten eine Legende, weil er aufgrund seiner Ausbildung in Prag die große alte Schule der Lichtsetzung, wie sie an der FAMU gelehrt wurde, verinnerlicht hatte. Er brachte es darin zu einer Meisterschaft,  die ihn hierzulande zu einem begehrten Kameramann für die unterschiedlichsten Genres werden ließ. Daneben war er aber auch ein wichtiger Lehrer für uns jüngere obwohl er sich dessen wegen seiner bescheidenen und bisweilen  verschlossenen Art selber gar nicht bewusst war.

Hanuš Polak wird uns in seiner unverwechselbaren bis kauzigen, jedoch ungemein liebenswerten Art immer in Erinnerung bleiben. Seine herausragenden Leistungungen als Cinematographer aber sind und bleiben ein wesentlicher Bestandteil des heimischen Film- und Fernsehschaffens.

Kurt Brazda