aac austrian association of cinematographers

Verband Oesterreichischer Kameraleute

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AUSTRIAN CINEMA(TOGRAPHY)
 
ÖSTERREICHER SCHREIBEN FILMGESCHICHTE

 

Filmland Österreich, der österreichische Film,österreichische Künstler im internationalen Film -ein weites Feld, ein großesThema, das auch im folgenden nicht erschöpfend abgehandelt werden kann. Feststeht jedoch, daß Österreicher schon lange vor der Patentierung des KinematographenGeburtshelfer der neuen, der siebenten Kunst waren, die unser Jahrhundert wiekeine andere geprägt und geformt hat. Schon 1833 erfindet Simon Stampfer dasStroboskop, 1845 läßt Franz Freiherr von Uchatius seinen"Film"-Projektor patentieren. 1870 stellt Peter Mitterhofer seineSchreibmaschine vor, die für Generationen von Drehbuchautoren und vor allemfür  deren zahlkräftige Leser undProduzenten unentbehrlich wird. 1884 meldet August Musger seineZeitlupenmaschine an und 1896 Theodor Reich sein Zoetrop, das Francis FordCoppola ein knappes Jahrhundert später zum Namen seiner Studios inspirierenwird. Nach ersten Filmvorführungen in Berlin und Paris 1895 findet am 27. März1896 in der Wiener Kärntnerstraße Nr. 45 die erste öffentliche Kinovorstellungauf österreichischem Boden statt. Von 10 bis 20 Uhr werden non-stop Filme derBrüder Auguste und Louis Jean Lumière gezeigt. 1900 wird das Erika-Kino in derWiener Kaiserstraße eröffnet. Es ist das älteste Kino der Welt, in dem nochheute Vorführungen stattfinden. 1908 wird der erste österreichische Spielfilm"Von Stufe zu Stufe" produziert. Im Ersten Weltkrieg schafft sich dieFilmindustrie Österreichs mit patriotischen Filmen eine solide wirtschaftlicheBasis und versucht nach dem Krieg eine Expansion auf dem Weltmarkt. In den 20erJahren kann Österreich noch aus dem vollen schöpfen und auf das Talent derersten, noch vor der Jahrhundertwende im Raum der österreichisch-ungarischenDonaumonarchie geborenen Generation späterer Kinolegenden zurückgreifen: AlexanderKorda dreht 1922 "Samson und Delilah", Mihály Kertész (später:Michael Curtiz) 1922 "Sodom und Gomorrha" und 1924 "DieSklavenkönigin". Aber die vielversprechenden Anfänge trügen, und schonbald ist Österreichs Film in wirtschaftlicher und künstlerischer Hinsicht vomNachbarn Deutschland abhängig.

 

Kurz nach Beginn der Tonfilmzeit scheint sich mit WilliForsts dekorativ-eleganten Musikmelodramen und Komödien so etwas wie eineigener Stil zu entwickeln, den Forst fast im "Ein-Mann-Gang" auchwährend der Nazi-Besetzung (1938 -1945) durchzuhalten versucht, auch wennSubversivität nicht seine Sache ist. Die Nazis Deutschlands und des dem"Anschluß" nicht abgeneigten Österreich treiben die jüdische undkritische Intelligenz in die Emigration oder später in die Todestransporte.Diese zweite große Emigrationswelle (gebürtige Wiener wie Erich von Stroheimund Josef von Sternberg lebten schon bald nach der Jahrhundertwende in den USA)sorgt für kräftige Impulse im internationalen und ­abermals -im US-Film, stürztaber das deutschsprachige und somit auch das österreichische Kino fürJahrzehnte in die völlige Bedeutungslosigkeit, an der auch einige"Aufarbeitungsversuche" (G.W. Pabsts "Der Prozeß", 1947;Karl Hartls "Der Engel mit der Posaune", 1948) nicht viel ändernkönnen. Dem europäischen Film fehlen in den Jahren nach der Befreiung nicht nurRegisseure wie Fritz Lang, Edgar Ulmer, Billy Wilder, Otto Preminger und FredZinnemann, sondern auch die vielen anderen (alt)österreichischen Künstler inallen Sparten des Kinos, Kameramänner, Komponisten, Autoren, Schauspieler,Ausstatter und Produzenten, die ihren neuen Heimatländern Ruhm, Ehre und Geldbringen. Schon Anfang der 50er Jahre kommt es zum abermaligenfilmwirtschaftlichen "Anschluß" Österreichs an seinen großenNachbarn, der die "Sissi"-Trilogie, Heimatfilm-undLustspielklamotten, Edgar-Wallace-Krimis, Karl-May-Abenteuer und schließlichJungfrauenreports und Lederhosen-Sex gebiert, bevor sich in Deutschland eineReihe junger Regisseure und Theoretiker gegen den faden Einheitsbrei auflehnt.In Österreich dauert die Agonie -bis auf wenige Ausnahmen, die zumeist vom TVmitfinanziert werden -noch länger an, bis Ende der 70er Jahre. Die wenigenEhrenretter in den ersten 30 Nachkriegsjahren sind radikale Außenseiter undAvantgardisten: Peter Kubelka, Kurt Kren, Ernst Schmidt jr., Valie Export, dieallerdings eine brachliegende Filmindustrie weder retten können noch wollen. Daes im Hauptteil dieses Artikels um das Filmschaffen in Österreich von 1970 ­1995unter besonderer Berücksichtigung technischer und wirtschaftlicherErrungenschaften und Entwicklungen geht, sei vorweg noch einmal auf einige(alt)österreichische Filmschaffende im Ausland verwiesen, deren Leistungen sieins Rampenlicht brachten. Und was könnte ein -wenn schon nicht immer unbedingtfür die Filmkunst, so doch zumindest für die Filmindustrie -spektakuläreresRampenlicht als die seit bald 70 Jahren stattfindende jährlicheOSCAR-Verleihung sein?

 

Etliche (Alt)österreicher wurden zwar mehrfach nominiert, ohnemit der beliebten Statuette ausgezeichnet zu werden (der Komponist Hans J.Salter sechsmal, sein Kollege Robert Stolz zweimal, die Kameramänner FranzPlaner und Rudolph Maté je fünfmal, Regisseur Josef von Sternberg zweimal), undeinige wurden nicht einmal nominiert (Erich von Stroheim, Otto Preminger). Aberes gab auch etliche, die sich zu den glücklichen Auserwählten zählen konnten-in den verschiedensten Kategorien ­und deren Namen seien stellvertretend füralle die anderen, im folgenden aufgeführt: So wie viele andere auch, mußte derin Wien geborene Erich Pleskow seine Heimat 1938 verlassen. Als"Eric" trat Pleskow 1951, damals 27 Jahre alt, der United Artist bei,welcher er ab 1962 als Vize-und von 1973 bis 1978 als Präsident vorstand. Danachgründete er die Orion Pictures, die er bis zu seinem Rückzug ins Privatleben1992 leitete. Unter seiner Ägide wurden u.a 7 Filme produziert, die alle denOSCAR als bester Film des Jahres erhielten: 

Kamera

Karl Freund

1937

-THE GOOD EARTH
+ SPECIAL AWARD

 

John Alton
(Johann Altmann)

1951

-AN AMERICAN IN PARIS
(gemeinsam mit Alfred Glick)

 

Ernest Laszlo

1965

-SHIP OF FOOLS

Musik

Ernest Gold

1960

-EXODUS

 

Erich Wolfgang

1936

-ANTHONY ADVERSE

  Korngold

1938

-THE ADVENTURES OF ROBIN HOOD

 

Max Steiner

1935
1942
1944

-THE INFORMER
-NOW VOYAGER
-SINCE YOU WENT AWAY

 

Frederick Loewe

1954
1974

-GIGI
-THE LITTLE PRINCE

Regie Michael Curtiz

1942

- CASABLANCA (Bester Film + Regie)

 

Billy Wilder

1945
1950
1960

-LOST WEEKEND (Regie + Drehbuch) -SUNSET BOULEVARD (Drehbuch)
-THE APARTMENT
(Regie + Drehbuch + Bester Film)

 

Fred Zinnemann

1938
1951
1953
1966

-THAT MOTHERS MAY LIVE
(Bester Kurzfilm)
- BENJY (Beste Kurzdokumentation)
-FROM HERE TO ETERNITY
(Regie + Bester Film)
-A MAN FOR ALL SEASONS
(Regie + Bester Film)

Ausstatter

William S. Darling

1933
1943
1946

-CAVALCADE
-THE SONG OF BERNADETTE
-ANNA AND THE KING OF SIAM

 

Nathan Juran

1941

-HOW GREEN WAS MY VALLEY

 

Anton Grot

1940

-THE SEA HAWK (Special Award)

 

Harry Horner

1949

-THE HEIRESS

 

 

1961

-THE HUSTLER

  Vincent Korda
1940
-THE THIEF OF BAGDAD
  Alexander Trauner
1960
-THE APARTMENT
Autoren George Froeschel
1942
-MRS MINIVER
  Walter Reisch
1953
-TITANIC
Darsteller Paul Lukas
1943
-WATCH ON THE RHINE
  Paul Muni
1936
-THE STORY OF LOUIS PASTEUR
  Maximilian Schell
1961
-JUDGEMENT AT NURENBERG
  Joseph Schildkraut
1937
-THE LIFE OF EMILE ZOLA (Nebenrolle)
Special Effects George Pal
1950
1951
1953
1958
1960
1943
-DESTINATION MOON
-WHEN WORLDS COLLIDE
-WAR OF THE WORLDS
-TOM THUMB
-THE TIME MACHINE
+ SPECIAL AWARD
Produzenten Sam Spiegel
1954
1957
1962
-ON THE WATER FRONT
-THE BRIDGE ON THE RIVER KWAI
-LAWRENCE OF ARABIA
Schnitt Peter Zinner
1978
-THE DEER HUNTER

So wie viele andere auch, mußte der in Wien geborene Erich Pleskow seine Heimat 1938 verlassen. Als "Eric" trat Pleskow 1951, damals 27 Jahre alt, der United Artist bei, welcher er ab 1962 als Vize-und von 1973 bis 1978 als Präsident vorstand. Danach gründete er die Orion Pictures, die er bis zu seinem Rückzug ins Privatleben 1992 leitete. Unter seiner Ägide wurden u.a 7 Filme produziert, die alle den OSCAR als bester Film des Jahres erhielten:

1975 ONE FLEW OVER THE CUCKOO' S NEST
1976 ROCKY
1977 ANNIE HALL
1984 AMADEUS
1986 PLATOON
1990 DANCES WITH WOLVES
1992 THE SILENCE OF THE LAMBS

Zusätzlich fielen an Österreicher in Hollywood insgesamt 93 Nominierungen.

Neben der OSCAR-verleihenden Academy Of Motion Picture Arts And Sciences hat auch die Hollywood Foreign Press Association ihren GOLDEN GLOBE Award mehrhaft an (Alt)österreicher verliehen, nämlich an:

Drehbuch Joseph Than 1944 -NONE SHALL ESCAPE
  Billy Wilder 1950 -SUNSET BOULEVARD
Musik Max Steiner 1947 -LIFE WITH FATHER
  Ernest Gold 1959 -ON THE BEACH
  Frederick Loewe 1967
1974
-CAMELOT
-LITTLE PRINCE
Song Frederick Loewe 1967 - If Ever I Should Leave You (Camelot)
Regie Billy Wilder 1950 -SUNSET BOULEVARD
  Fred Zinnemann 1953 -FROM HERE TO ETERNITY
Kamera Franz Planer 1949
1950
1952
-THE CHAMPION
-CYRANO DE BERGERAC
-DEATH OF A SALESMAN
Nebenrolle Klaus Maria Brandauer 1985 -OUT OF AFRICA
Debütant Arnold Schwarzenegger 1976 -STAY HUNGRY
Bester Film Billy Wilder 1950
1959
-SUNSET BOULEVARD
-SOME LIKE IT HOT
  Otto Preminger 1953 -THE CARDINAL

 Abgesehen von Arnold Schwarzenegger, Erich Pleskow und Fritzl, hatten Österreicher in den letzten Jahren wenig Glück in Hollywood. Wohl gewann 1982 István Szabós "Mephisto" mit Klaus Maria Brandauer den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film, aber der Film lief als ungarischer Beitrag. Auch Brandauers Nebenrollen-Darstellung in "Out Of Africa" wurde 1986 nominiert. Und auch der, von Iwan und der Auswahlkomission des ÖFF gefördete und unter der behutsamen Regie Wolfgang Glücks produzierte Film "38 -Auch das war Wien", wurde als einer der fünf besten nicht-englischsprachigen Filme 1987 nominiert. Nun wer ist dieser Iwan? Und wer ist dieser Fritzl?

 Die Geschichte von Iwan und Fritzl

Aus der österreichischen Filmgeschichte von 1970 - 1995

1941: DAS BANGEN AUF VIER KLEINE GOLDJUNGEN

Während Karl Freund, 9.814 km von der Heimat entfernt, bangte, ob er den kleinen Goldjungen, OSCAR genannt, nun für seine Schwarzweiß-Photographie für "Chocolate Soldier" oder für seine Farb-Photographie für "Blossoms In The Dust" bekommen würde (weder noch --sein Oscar für "The Good Earth", 1937, wird sein einziger regulärer bleiben!), bekamen in Österreich je zwei Familien ihren kleinen Goldjungen. Der eine, Gerhard Schedl, wurde am 3.3. geboren, der zweite, Fritz Gabriel Bauer, am 6.6.

Später werden sich sich Iwan und Fritzl nennen.

 

1955: JAHR DER BEGEGNUNGEN

USA:
Der aus Österreich stammende Regisseur Fred Zinnemann dreht mit Rod Steigereinen der ersten und breitesten aller Breitwandfilme (Todd AO): "Oklahoma!"Zum ersten Mal in der Geschichte der amerikanischen Filmproduktion überwiegt dieAnzahl der Farbfilme die der Schwarz-Weißen. "Oklahoma!" ist einer davon.

DEUTSCHLAND:
Der österreichische Schauspieler Curd Jürgens dreht unter der Regie HelmutKäutners "Des Teufels General".

SCHWEIZ:
Der sowjetische Ministerpräsident Nikolai Bulganin, der US-Präsident Dwight D. Eisenhower, der französische Ministerpräsident Edgare Faure und der britische Premierminister Sir Anthony Eden beenden in Genf eine fünf Jahre dauernde Konferenz über die Zukunft Europas. Zwei Jahre nach Stalins Tod werden in der Sowjetunion die ersten gesellschaftskritischen Filme produziert, wie z.B. "Urok Zizni - Die Lehre des Lebens" von Juli Raismann. Als Reaktion auf die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die westliche Militärallianz NATO schaffen die sozialistischen Länder ein gemeinsames Militärbündnis.

POLEN:
Am 14. Mai kommt es zur Unterzeichnung des Warschauer Paktes durch den sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow.

ÖSTERREICH:
Einen Tag später trifft dieser im 3. Wiener Bezirk ein, um mit seinen Amtskollegen, dem Briten Harold McMillan, dem Franzosen Antoine Pinay und dem Amerikaner John Foster Dulles den Österreichischen Staatsvertrag zu unterzeichnen. Damit erhält Österreich wieder die volle Souveränität.
Ernst Marischka dreht mit einer 17-jährigen Schauspielerin die "Kaiserlich- Königliche" love story "Sissi": Romy Schneider. Die Kamera führte Bruno Moldi. Im 1. Wiener Bezirk begegnen sich zum ersten Mal nach Kriegsende Leonore und Florestan wieder. Anlaß: Wiedereröffnung der Staatsoper.
Und Beethoven kommt ein zweites Mal zu Ehren, als sein "Egmont" die erste Stunde des Österreichischen Fernsehens eröffnet. Damals war die Zentrale des Österreichischen Rundfunk-Fernsehen im 4. Wiener Bezirk, in der Argentinierstraße, wo sich auch die Schule befindet, in welche sich Gerhard "Iwan" Schedl und "Fritzl" Gabriel Bauer kennenlernen werden.
Beide wollen Maschinenbau lernen...oder doch nicht...?

Die ganze Schulzeit saßen sie nebeneinander und schrieben brav voneinander ab. Als sie die Schularbeit in darstellender Geometrie zurückbekamen, stand bei Bauer "siehe Schedl" und bei Schedl "siehe Bauer". Damals gaben sie sich auch ihre Spitznamen "Iwan" und "Fritzl".

Gerhard SCHEDL:
...dann hat der Professor gemeint: "Die setz' ich jetzt auseinander, 's muß doch a Ruh geben"... er hat uns auseinander gesetzt, da hat es wieder einmal zwei "sehr gut" gegeben und rund um uns herum hat es plötzlich auch mehr "gut" gegeben, da stand rund um den Fritzl dieses und rund um mir jenes.

Beide waren sie Erfinder, die ihr Genie nicht mit schnöden Dampfmaschinen zu vergeuden dachten. Sie wollten gleich Raketenmotoren entwickeln,... einen zumindest. Schließlich wußten sie ganz genau, wie Düsen auszuschauen hätten. Ihre Zeichnungen haben sie alle signiert, für die Nachwelt, versteht sich. Doch blieb alles nur Bleistift auf Papier. Wohl aber hatten sie sich ausgemalt, wie es sein könnte... und stolz waren sie darauf.

Beide waren sie Erfinder, die ihr Genie nicht mit schnöden Dampfmaschinen zu vergeuden dachten. Sie wollten gleich Raketenmotoren entwickeln,... einen zumindest. Schließlich wußten sie ganz genau, wie Düsen auszuschauen hätten. Ihre Zeichnungen haben sie alle signiert, für die Nachwelt, versteht sich. Doch blieb alles nur Bleistift auf Papier. Wohl aber hatten sie sich ausgemalt, wie es sein könnte... und stolz waren sie darauf.

 

 

DIE 60er JAHRE: NACH DER MATURA

Bis zur Matura, für die sie sich gemeinsam vorbereiteten, vergingen fünf Jahre. Danach stellten sie fest: keiner von beiden will Maschinenbauer werden. Das war in einer Zeit, in der man Internationalität und Frieden postulierte.

Viele junge Leute traten Vereinigungen bei, die sich für solche Gedanken nicht nur stark machten, sondern auch aktiv an ihrer Umsetzung arbeiteten. So auch der junge Iwan. Auf seinen Reisen durch Europa kam es zum Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten. Auf Kongressen lernte er von Politikern das "Mundwerkzeug" der Rhetorik schmieden. Iwan wurde einer der Proponenten und Sprecher der Jugendsektion Österreichs in der Liga der Vereinten Nationen.

Fritzl wollte Erfinder werden. Eine seiner ersten Erfindungen war der Kunststoffski, den er in der Wohnung seiner Eltern konstruierte. Iwan hat immer schon vom Film geträumt, er wollte unbedingt auf die Filmhochschule. Um dort aufgenommen zu werden, musste man damals ein einschlägiges Hochschulstudium absolviert haben. Deshalb besuchte er zunächst die Technische Universität, um nach drei Jahren Maschinenbau Ingenieur zu werden.

Fritzl war ebenfalls an der Technischen Universität, um nach drei Jahren Betriebswissenschaftslehre auch Ingenieur zu werden.

Da Fritzl eine künstlerische Laufbahn ins Auge gefasst hatte, plante er, beim berühmten Professor Roland Rainer, der damals an der Kunstakademie am Schillerplatz lehrte, Architektur zu studieren. Sein Studium mußte er sich selbst finanzieren, weswegen er als Konstrukteur in der Stahlbauindustrie arbeitete. Einige Konstruktionen stehen noch heute, wie etwa Stahldächer, Tankstellen, Wiener Messehallen etc.

Kontakte mit Filmarchitekten erzeugten in ihm den Wunsch, nicht nur rein technisch zu gestalten, sondern auch seine künstlerische Kreativität in die Vorhaben einzubringen.

Die Architektur war für ihn eine gewisse Brücke, um sein kreatives Potential, das er bis dahin in selbst geschaffenen Bildern, Partituren und Texten ausgelebt hatte, tatsächlich umzusetzen.

Im Vorlesungsverzeichnis der Kunstakademie entdeckte er die Studienrichtung "Bühnenbild und Festgestaltung" und inskribierte diese anstelle der "Architektur".

Fritz Gabriel Bauer:

Dieser spontane Entschluß kam aus dem ganz einfachen Grund, daß dort ein berühmter Mann lehrte, Kaspar Neher, Freund und Weggefährte von Bertolt Brecht, der mich eigentlich sehr freundlich aufgenommen hat und mich in ganz kurzer Zeit zu seinem Assistenten machte, weil ich die Fähigkeiten hatte, Dinge technisch zu übersetzen. Bühnenbild war für mich einfach die Synthese aus allen Dingen, die mich damals so fasziniert haben, aus Literatur, aus Architektur, aus Malerei, aus Musik und nicht zuletzt auch aus Technik, die doch auf der Bühne so wesentlich ist.