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Helmut Fibich2018-11-18T15:25:49+00:00
In MemoriamWolfsgraben† 3.8.2018
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* 1939

Helmut Fibich
1939 -2018

Helmut Fibich beim Neujahrskonzert

Er war einer von denen, dessen Fähigkeiten im Bereich der Kamera im Verbund dem ORF seinen legendären Ruf bei Übertragungen jeglicher Art eintrug. Helmut Fibich führte über Jahrzehnte die elektronische Kamera bei Sportgroßveranstaltungen und Shows, bei Theater- und Opernübertragungen und deren Aufarbeitung für das Fernsehen, beim Neujahrskonzert, bei Diskussionen und diversen anderen Events.
Er war es auch, der die Live-Elektronik im Rahmen der aktuellen Berichterstattung und bei Magazin-Sendungen zu einem eigenständigen Sendeformat entwickelte.
Stets war er nicht nur ein hoch qualifizierter verlässlicher Fels in der Brandung, sondern auch ein Kameramann mit Einsatz, welcher der Bildregie höchst ungewöhnliche und spannende Bilder anbieten konnte.
1939 in Wien als Sohn eines Währinger Kaffeehausbesitzers geboren, stand es für Helmut schon mit 6 Jahren fest, dass er Kameramann werden wollte. Damals begann er auch bereits mit dem Sammeln von Kameras. Später wurde die Sammlung um Filmprojektoren und einen beachtlichen Bestand an 35mm Kinofilmen und eine riesige Sammlung an „Austria Wochenschauen“ ergänzt. Selbstredend gehört zur Sammlung auch ein 16mm Schneidetisch. Über den Umweg einer Lehre zum Radiokaufmann kam er dann im Winter 1956/57 zum ORF. Bereits nach einem halben Jahr als Kameraassistent kam die Beförderung zum Kameramann. Schnell wurden seine Führungsqualitäten entdeckt, und er wurde zum Hauptkameramann in einem Team, und entschied sich mehr im Übertragungsbereich am
Ü-Wagen als im Studio tätig zu sein.
1964 und 1976 in Innsbruck bei den Olympischen Spielen war er dabei und wirkte auch als Kameramann bei der Eröffnung des Großen Festspielhauses in Salzburg.
Er war bei Großveranstaltungen, bei beiden Papstbesuchen und auch bei der nordischen WM 1986 in Seefeld für die gesamte Organisation der ORF-Technik verantwortlich.
Er war führender Kameramann bei legendären Bühnenaufzeichnungen wie Maxim Gorkis „Sommergästen“ in der Inszenierung von Achim Benning und Peter Turrinis „Rozznjagd“ inszeniert von Dieter Haspel.
Als Hauptkameramann betreute er 20 Folgen der Kultserie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ (Buch: Ernst Hinterberger, Regie: Reinhard Schwabenitzky, Kurt Ockermüller) und hat damit eindeutig Fernsehgeschichte mitgeschrieben.


Die Mitwirkung an 34 (!!) Neujahrskonzerten war ihm eine echte Herzensangelegenheit.
Er war maßgeblich an der Gestaltung dieses von Milliarden Menschen gesehenen ORF-Highlights beteiligt.
Er war ein großer Nachwuchsförderer, aus seinem „Stall“ kommen die heute im ORF führenden Kameraleute und Bildmeister. Er war immer bereit, sein Wissen weiterzugeben, ohne Vorbehalte, ohne Überheblichkeit.
Er setzte sich seinerzeit dafür ein, dass der AAC einen eigenen Bereich für „Kameraleute im Verbund“ einrichtete, dem er und nach und nach auch die wichtigsten Protagonist*innen dieses Sektors beitraten
Ein besonderes Anliegen war es ihm die Qualität der Kameraarbeit im Fernsehen nicht nur zu halten, sondern auch immer wieder noch zu steigern. Er etablierte die Trademark AAC auch in der Live-Elektronik im ORF, was dazu führte, dass immer mehr AAC Verbandsmitglieder daselbst zum Einsatz kamen. In Anbetracht der zeitgeistigen inhaltlichen und formalen Verflachung in den audiovisuellen Medien, kann man Helmut Fibich durchaus als Vorkämpfer für einen niveauvollen und verantwortlichen Umgang mit der Sprache der Bilder bezeichnen.
Bis zu seinem Tod am 3.8.2018 interessierte er sich für die TV-Arbeit, hielt Kontakt zu seinen „Schülern“ und zu den ehemaligen Kollegen.
Er wird uns fehlen…

Kurt Brazda

Helmut Fibich 1964

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