Wir mussten viel herumschleppen

//Wir mussten viel herumschleppen
Wir mussten viel herumschleppen2018-09-18T16:19:32+00:00
„Wir mussten viel herumschleppen“Wiener Zeitung extra, 19./20. Dezember 2015
Seit 40 Jahren für den ORF tätig: Kameramann Gerald
Frey erinnert sich an zahlreiche Begegnungen auf der
ganzen Welt – von Bruno Kreisky bis Lady Diana.

Das war die Zeit von Bruno Kreisky damals“, erzählt Frey bei unserem Gespräch im Café Heumarkt über seine spannenden Anfangsjahre. „Wir waren viel mit Hans Benedict im Nahen Osten unterwegs.“ Von nun an fallen die Namen berühmter Menschen im Sekundentakt. Den damaligen Bundeskanzler Kreisky beschreibt Frey als „zwar volksnah, aber privat völlig unzugänglich“. Der ORF entwickelte sich in diesen Jahren vom Verkündigungssender zum Trendsetter, nicht zuletzt wegen des neuen Formats „ZIB 2“. Bis dahin berichteten Zeitungen oft noch aktueller als das Fernsehen, weil der ORF die Beiträge nie am gleichen Tag senden konnte. Mit neuer Kameratechnik (Video!) änderte sich auch das.
Einer seiner prägenden Redakteure war Alfred Stamm. Zu dem fällt Frey auch gleich eine lustige Geschichte ein: „Stamm wollte eine Geschichte über Saunagäste drehen. Der erste Drehtag war in einer privaten Sauna anberaumt, die Dame des Hauses hatte anfangs ein Handtuch um ihre Brüste gewickelt, Stamm sagte: ,Das Handtuch gehört aber auf die Liege!‘ Die Dame wollte wissen, wann denn der Beitrag gesendet werden würde. Als Stamm sagte: ,Um 22 Uhr‘, meinte sie: ,Na gut, dann wird mein Mann um 22 Uhr  halt etwas anderes machen müssen als Fernsehen.‘ Und legte das Handtuch ab.“

Klingt heute lustig, war aber damals ein Skandal. Der „Kurier“ zeigte Stamm in einer Karikatur nackt mit einem Kamerakabel um sein Gemächt gewickelt. Dem Arbeitsklima innerhalb des ZIB2- Teams schadete der Skandal allerdings nicht, im Gegenteil: „Die Stimmung war großartig! Da wurden Fesseln abgelegt, es herrschte Aufbruch.“ Frey verbrachte fast seine gesamte Freizeit mit den ORF-Leuten; Herbert Hamersky, der später bei einem Lawinenunglück ums Leben kam, war „eine Art Guru“ für ihn.

Manfred Rebhandl, geb. 1966,
lebt als Autor in Wien. Zuletzt ist
von ihm der Krimi „Töpfern auf
Kreta“ (Czernin, 2015) erschienen.

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